Mit seinem Sieg über Weltmeister Ronnie O’Sullivan (13:11) zieht Mark Allen ins Viertelfinale der WM von Sheffield ein.
Auf den ersten Blick bestimmt eine Sensation. Ich selbst habe in meiner Überschrift zu diesem Artikel auf ein solches „Superlativ“ verzichtet. Wenn man das Spiel der beiden verfolgt hat, so wurde nach und nach immer deutlicher, dass Mark Allen den Sieg schaffen kann.
Ronnie fand zu keinem Zeitpunkt zu seinem sogenannten „A-Spiel“. Erkennbar oder zu vermuten war dies höchstens in kurzen Phasen des Matches. Am Ende war die Fehlerquote von „The Rocket“ ganz einfach zu hoch. Woran mag das gelegen haben?
Der Druck , der auf Ronnie lastete war riesengroß und über weiten Strecken erkennbar. Mark Allen war der erwartet starke Gegner und nutzte jeden Fehler von O’Sullivan gnadenlos aus. Hinzu kam wohl auch, dass sich der Weltmeister in Sachen Titelverteidigung noch mehr in Anspannung versetzte, als dies ohnehin schon der Fall war.
Möglicherweise spielte auch die von vielen Spielern ungeliebte Morningsession eine entscheidende Rolle. Ronnie fand im entscheidenden dritten Abschnitt des Matches nie zu seinem Spiel. Mit einer 9:7 Führung im Rücken, startete um 10 Uhr Ortszeit der entscheidende- und letzte Durchgang.
Mark Allen gelang mit den ersten beiden Frames bereits der Ausgleich und ging im dritten Frame mit 10:9 in Führung. Nach Zwischenstände von 10:10 und 11:11 begann die „Sternstunde“ des Mark Allen.
Für mich stellte sich sofort nach dem Match folgende Frage: Ist Ronnie O’Sullivan eben gerade gegen den künftigen Weltmeister ausgeschieden? Nicht wenige Kenner der Szene zählten ihn vor Beginn der WM zu den Geheimfavoriten.
So widersprüchlich es sich auch anhören mag: Die Stärken des Mark Allen am Snookertisch können sich auch rasch zu seinen Schwächen umkehren. Sein „Hurra-Stil“, wie er sein Spiel führt ähnelt manchmal dem Tanz auf der Rasierklinge. Klappt am Ende alles, wird er wohl auf den Schultern seiner Fans durch das Crucible Tehatre getragen. Geht der Schuss nach hinten los, könnte bereits das Viertelfinale die Endstation für ihn bedeuten.
Die entscheidende Frage wird sein: Wie kann der junge Mark Allen mit diesem Druck umgehen? Plötzlich ist eine ganz neue Situation entstanden. Spätestens seit heute, nach dem Sieg über den Weltmeister, gehört er zweifelsfrei zum Kreis der Spieler, denen man zutraut, nach dem Finale den WM-Pokal in Händen zu halten.
Ronnie O’Sullivan wird meine bescheidenen Zeilen hier wohl kaum lesen; aber was ich an dieser Stelle noch äußern möchte, richtet sich auch an seine große Fangemeinde. Ich möchte „The Rocket“ zurufen: „Ronnie, Du bist ein Mensch und keine Maschine! Auch ein Snooker-Genie wie Du, hat das Recht, ein wichtiges oder gar sehr wichtiges Match zu verlieren. Du wirst auch in Zukunft Deinen zahlreichen Fans auf der ganzen Welt viel Freude bereiten. Noch auf einer Vielzahl von Sieger-Pokalen, die darauf warten, von Dir gewonnen zu werden, wird Dein Name künftig zu finden sein!“
Mein Glückwunsch zum Erreichen des Viertelfinales geht an die Adresse von Mark Allen. Wenn der junge Nordire diese Form und Klasse beibehalten kann, die er heute gezeigt hat, kann es für ihn bei dieser WM noch sehr weit gehen…
Beste Wünsche!
Klaus B.